Informationen rund um die Kirchensteuer

Vom Kirchenzehnt bis zur Säkularisation

10_cent_coin_Va_serie_3Die Kirchensteuer ist keine Erfindung der Neuzeit. Als älteste regelmäßige Einnahmequelle der Kirche auf deutschem Boden gilt der Kirchenzehnt, der aus biblischen Opfergaben abgeleitet und durch ein Synodalgebot von 585 in eine Pflichtabgabe verwandelt worden war. Durch ein Gesetz Karls des Großen von 779 im ganzen Reich auch staatlich geboten, erlangte der Kirchenzehnt in den folgenden Jahrhunderten als Ertragszehnt von Acker-, Weinberg- und Baumfrucht sowie von Groß- und Kleinvieh eine erhebliche Rolle bei der Finanzierung der kirchlichen Aufgaben.

Im Mittelalter, namentlich während der Kreuzzüge, nahmen daneben auch die Päpste das Recht der Besteuerung für kirchliche Zwecke in Anspruch.

Einen ersten Einbruch für den Kirchenzehnt gab es im Zuge der Reformation: Die Reformation führte in den protestantischen Gebieten weithin zur Verweltlichung kirchlicher Hoheitsrechte und Güter, wonach die evangelischen Kirchen zunächst auf freiwillige Gaben angewiesen waren. Ein Kirchenzehnt wurde hier nicht mehr erhoben.

Das endgültige Aus für den Kirchenzehnt kam dann im Rahmen der allgemeinen Säkularisation nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803, bei dem die Kirchen neben ihren Gütern endgültig auch das Zehntrecht verloren. Im Gegenzug wurden jedoch die Landesfürsten, denen das Kirchenvermögen angefallen war, zu finanziellen Ausgleichsleistungen an die Kirchen verpflichtet. Diese Ausgleichsleistungen wurden in der Folgezeit dann wieder zu einem Großteil – zugunsten der Landesfürsten und zu Lasten des Kirchenvolkes – abgelöst durch die Einführung der Kirchensteuer, wie wir sie heute noch kennen.